Ramona Raabe
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Gravur – Take 1 & Take 2
in literarisch, lyrisch this entry has 2 Kommentare by Ramona Raabe

Gravur

I. Take Eins.

Du wurzelst deine Füße in den Boden
weil du dich dann sicher fühlst
ich spring um dich, ganz ohne Haftung
und sollte doch besser umzingeln versuchen

Was wurzelt, bleibt und kann nicht weg
hat wer, irgendwer, mal wer gesagt
oder war das ich? die das sagt, nämlich jetzt
in diesen Zeilen, in denen ich merk, du bist so verwurzelt
dass du nie wirst bleiben können

Mein Bleiben ist ein immer bisschen bleiben
und wer immer nur bisschen bleibt, bleibt nie
das ist Kinderlogik, hast du die erkannt
nimmst du deshalb nicht meine Hand, wurzelst
du immer oder nur für mich? Sprich – nicht. –
.ohne gedacht zu haben, dass gehen vielleicht nur ein bisschen gehen
bedeutet, aber gehen lassen – viel mehr.

Wenn ich nur ein bisschen bleibe, dann meine ich ja
nicht dich, sondern den Boden, an den du dich so
willig wurzelst, das ist ja das, was so schwer ist – buchstäblich –
gravierend für Schwerkraft und für Gravur,
die in mir eingeprägt wurde, inbrünstig eingebrunst, von dir
und du weißt auch, wie, das war doch Absicht, – ach, komm!
…ein bisschen mit

Jemand anderes rottet mit dir, du verliebst dich
klemmt Blicke zusammen, klemmt ein
ihr haltet euch an den Händen, bis sie abfallen
und nicht mal meine Eifersucht sie mehr auffangen kann
meine Eifersucht, meine Traurigkeit, die sich
wie Eifersucht gibt, weil sie stärker wirkt, und will lieber stark
wirken, eifrig, süchtig, vor dir, habe schon dreimal, gleich viermal
Eifersucht gesagt

Jemand anderes spuckt dir in die ausgehöhlte Hand
es trocknet klebrig kurvig in deine Handrillen hinein,
und auch das ist, wahrscheinlich stimmt’s schon,
eine Form des Einswerdens
Denn jemand anderes ist genau,
was du von jemand anderes willst

Jemand anderes denkt an dich wie hinfort gefegt
Erinnerung im Wind, Sequenz im Rauschen
– Radiosender, den man halten wollte, verliert und
nicht mehr findet, obwohl man doch die Nummer weiß –
denkt an dich, wie man nicht denken kann, unerhört
niemand denkt an nichts, nur jemand anderes,
wenn an dich – Geheimnis: alle lieben das Nichts,
die Heimat und die Ausrichtung.
Für jemand anderes bist du Nirwana, Limbo, Schwebestand
für mich bist du Leben, Tanz, und Schneegeriesel
in der Kugel, die uns einschließt im gläsernen Horizont

Niemand kann dir dieses Nichts nicht geben
Das Leben ist auch nie Nichts und
alle beschweren sich darüber
Ruhe ist nichts, Lärm ist etwas, Krach,
wir krachen zusammen, du ruhst stehend
Muss noch etwas sagen, bevor du ganz verwurzelt bist
Ein letztes Angebot, dann werde ich still
werde auch schwach, Haftungslosigkeit ist (auch) schwer
Schnitt, neu

II. Take Zwei.

Ich habe uns ein Haus gebaut
Vier Wände ohne Dach
Zitternd fest auf Watt im Meer
es glänzt, es schimmert, die Zimmer

leer, und ich föhne die Farbe trocken

Hab auch ein Bild an die Wand
gehängt, für später dann
zwei Köpfe und ein Blick zu uns,
den eigenen treffend, älter jetzt
und fragen nach dem ist da noch
an Restbestand im Karton,
noch zu, und noch immer, immerzu, noch,
vielleicht

Hab die Schlüssel nicht versteckt
und finde sie manchmal trotzdem
nicht, haben wir ein Versteck
– bestimmt? Hab ichs verpasst,
verrat es mir und verrat mich nicht
Hab es vergessen, weiß es nicht
mehr
und weiß auch nicht mehr.

Weiß nur was du noch wissen musst
weil du wissen musst, dass
ich dich sehe, mit staunenden
und mit staubenden
Augen, die Blickes blühen
so sehe, dich sehe, in eben so,
sehr.

Sternenstaub, der Glitzersand
wie Schießpulver, das sich reibt
mit feuchten Salzkristallen

Von dorther

in weiter Ferne
zweifach gleich

Wo das Haus

noch schläft

und tr

träu

räumt

träumt

.

.

                                                                        Ramona Raabe

2 Kommentare

  • Gedichtefee, 5. März 2016 at 1:13

    love it!

    Reply
    • Ramona Raabe, 19. März 2016 at 5:46
      in reply to Gedichtefee

      Danke, ich freue mich sehr 🙂 Liebe Grüße und schön, dass du hierher gefunden hast.

      Reply

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